Berlin, 26. Juni 2026. Zu Berichten über mögliche 100.000 Stellenstreichungen, Werksschließungen und eine Zerschlagung von Konzernstrukturen bei Volkswagen erklärt Agnes Conrad, Sprecherin für Automobilindustrie und Handwerk der Fraktion Die Linke im Bundestag:

„Wenn sich diese Berichte bestätigen, ist das kein Sanierungsprogramm, sondern ein Frontalangriff auf die Beschäftigten. Der VW-Vorstand will offenbar die Folgen jahrelanger Managementfehler auf diejenigen abladen, die diesen Konzern überhaupt am Laufen halten: die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Werken.“

Nach Medienberichten sollen bei Volkswagen in den kommenden Jahren weltweit bis zu 100.000 Arbeitsplätze wegfallen. Zudem sollen mehrere deutsche Werke zur Disposition stehen. Auch eine Herauslösung der Kernmarke Volkswagen und weiterer Konzernteile wird demnach geprüft.

Conrad weiter:

„Dieser Vorstand hat kein Recht, ganze Standorte in Angst zu versetzen, während die Verantwortung für strategisches Versagen in den Chefetagen liegt. Wer Transformation mit Kahlschlag verwechselt, hat die Kontrolle über diesen Konzern verloren. Volkswagen wurde nicht von Vorstandsfolien, Renditezielen und Beraterpapieren aufgebaut, sondern von den Beschäftigten.“

Besonders scharf kritisiert Conrad mögliche Pläne zur Neuordnung und Ausgliederung von Konzernteilen:

„Was hier offenbar vorbereitet wird, riecht nach Konzernzerlegung im Interesse des Kapitalmarkts. Erst werden Beschäftigte mit Stellenabbau bedroht, dann werden Strukturen so sortiert, dass sie leichter verwertet werden können. Das ist keine Zukunftsstrategie. Das ist Industriepolitik mit der Abrissbirne.“

Volkswagen sei kein beliebiges Spekulationsobjekt, sondern ein zentraler Industriekonzern mit Verantwortung für Beschäftigte, Zulieferer, Regionen und industrielle Wertschöpfung in Deutschland.

„Wer bei VW-Werke schließt, reißt nicht einfach ein paar Produktionslinien aus dem Konzernplan. Er greift in ganze Regionen ein, zerstört Perspektiven und sendet ein verheerendes Signal an die gesamte Autoindustrie. So verspielt man industrielle Stärke.“

Conrad fordert den Vorstand auf, die Pläne vollständig offenzulegen und jede Drohkulisse gegenüber Beschäftigten und Betriebsräten zu beenden:

„Schluss mit Geheimrunden, Standortgerüchten und scheibchenweiser Verunsicherung. Der VWVorstand muss jetzt auf den Tisch legen, was geplant ist. Die Beschäftigten haben ein Recht auf Wahrheit und Sicherheit, nicht auf Nebelkerzen aus Wolfsburg.“

Auch das Land Niedersachsen müsse seiner Verantwortung im Aufsichtsrat gerecht werden:

„Niedersachsen darf bei diesem Angriff auf Beschäftigte und Standorte nicht den stillen Beifahrer spielen. Wer öffentliche Verantwortung trägt, muss sich öffentlich gegen Werksschließungen, Massenentlassungen und Konzernzerschlagung stellen.“

Die Linke fordert statt Stellenabbau eine verbindliche Beschäftigungs- und Standortgarantie, Investitionen in bezahlbare E-Mobilität, Batterietechnik, Ladeinfrastruktur, Qualifizierung und regionale Wertschöpfung.

Conrad abschließend:

„Die Transformation der Autoindustrie darf nicht als Vorwand für sozialen Kahlschlag missbraucht werden. Volkswagen braucht keinen Vorstand, der den Konzern kleiner, billiger und kapitalmarktfähiger macht. Volkswagen braucht eine Strategie für gute Arbeit, sichere Standorte und klimaneutrale industrielle Zukunft. Wer hunderttausende Existenzen zur Verhandlungsmasse macht, handelt verantwortungslos.“